Institut für Virologie – Viruserkrankungen und Virusbiologie in Berlin-Mitte

Auf den folgenden Seiten stellen wir Ihnen das Institut sowie seine Aktivitäten in Forschung, Diagnostik und Lehre vor.

Institutsdirektor

Das Institut im Helmut-Ruska-Haus

Institutsgebäude Helmut-Ruska-Haus
Institutsgebäude der Virologie, das Helmut-Ruska-Haus

Das Institut für Virologie vertritt mit seinen Mitarbeitern das Fachgebiet der klinischen, molekularen und allgemeinen Virologie in Forschung und Lehre. Es ist durch eine umfassende virologische Diagnostik in die Krankenversorgung eingebunden.

Das Institutsgebäude auf dem Campus der Charité in Berlin Mitte trägt den Namen "Helmut-Ruska-Haus" in Erinnerung an den Arzt Helmut Ruska (1908-1973), der in den 1930er Jahren an der Charité tätig war. Als erster Forscher machte er Viren mit Hilfe des Elektronenmikroskops sichtbar.

Das Institut führt virologische Diagnostik in Form des Antikörper-, Antigen-, Nukleinsäure- und Virusnachweises durch. Es ist zudem Nationales Konsiliarlaboratorium für Corona- und Hantaviren.

 

 

News

März 2018

Wie verlässlich ist die Zika-Virus-Diagnostik?  

Brasilien ist weltweit am härtesten vom aktuellen Zika-Virus Ausbruch betroffen. Fast alle Fälle einer Zika-Virus-assoziierten Fehlbildung von Neugeborenen wurden aus diesem Land berichtet. Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) an der CharitéUniversitätsmedizin Berlin konnten zeigen, dass die molekularen Nachweisverfahren für das Zika-Virus in Brasilien nicht immer verlässlich sind. Über zwei Drittel aller Labore wiesen falsch-positive oder falsch-negative Ergebnisse auf. 

2016 breitete sich in Brasilien das Zika-Virus aus, Millionen Menschen waren davon betroffen. Besondere Sorge bereitete die Zunahme von Fehlbildungen des Kopfes bei Neugeborenen (Mikrozephalie), deren Zusammenhang mit der Zika-Infektion mittlerweile bestätigt ist. Eine verlässliche Diagnostik der Zika-Virus-Infektion bleibt eine vordringliche Aufgabe, die sich die Wissenschaftler im DZIF auf ihre Fahnen geschrieben haben.

„Aus zwei Gründen brauchen wir eine sichere Labordiagnostik insbesondere in Ausbruchsgebieten wie Brasilien“, erklärt Prof. Dr. Felix Drexler, der an der Charité - Universitätsmedizin Berlin Zika-Forschung betreibt. Zum einen müssten die Patienten sich unbedingt auf die Diagnose verlassen können. Falsche Diagnoseergebnisse können fatale Folgen haben. „Wir wissen beispielsweise, dass die Nachfrage nach illegalen Abtreibungen in Lateinamerika während des Zika-Ausbruchs um fast 100 Prozent angestiegen ist“, so Drexler. Sichere Diagnosen könnten helfen, solche dramatischen Schritte zu verhindern. Zum anderen hängen Vorsorgemaßnahmen des Gesundheitswesens und die weitere Forschung von verlässlichen Risikoschätzungen ab.

Molekulare Nachweisverfahren im Test

Derzeit erfolgt der Nachweis einer akuten Infektion vor allem über eine Bestimmung des viralen Erbguts in Blut und Urin. Alle Tests weisen Virus-RNA
(-Ribonukleinsäuren) mit der sog. Polymerase-Kettenreaktion (PCR) nach, einem gebräuchlichen Verfahren zum Nachweis von Nukleinsäuren. Doch wie empfindlich sind die verwendeten Tests für das Zika-Virus, d.h. weisen sie die Virus-RNA auch bei sehr geringen Viruskonzentrationen nach? Werden Infektionen mit dem Virus immer erkannt? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des externen Laborvergleichs, den Drexler und sein Team gemeinsam mit brasilianischen Wissenschaftlern 2017 in 15 Laboren in Brasilien durchgeführt haben. Etwa ein Drittel der Labore konnte perfekte Ergebnisse erzielen, hingegen hatten etwa zwei Drittel der Labore zum Teil fehlerhafte Ergebnisse.

 Das Problem der Verlässlichkeit

Bei einigen der beteiligten Labore, so das Fazit, besteht unbedingt Verbesserungsbedarf, was die Diagnostik betrifft. „Man sollte allerdings dazusagen, dass eine Bewertung der Zika-Diagnostik in europäischen Laboren zu ähnlichen Ergebnissen gekommen ist“, betont Drexler. Mit den Laborleitern aus der Studie sind bereits Wiederholungen geplant, um die Prozesse zu optimieren. Die Wissenschaftler halten außerdem eine Kombination mit serologischen Tests für sinnvoll, mit denen nach dem achten Tag der Infektion die von der infizierten Person gebildeten Antikörper bestimmt werden können. „Es muss eine kontinuierliche Qualitätskontrolle der Zika-Virus-Diagnostik weltweit stattfinden“, betont Drexler.      

Hintergrund

Die Gruppen um Felix Drexler und Christian Drosten, ehemals Universitätsklinikum Bonn, jetzt CharitéUniversitätsmedizin Berlin, konnten bereits neuartige Zika-Virus-Tests und den weltweit verwendeten Standardtest zum Nachweis des MERS-Erregers (MERS für Middle East Respiratory-Syndrom) entwickeln und sind im DZIF vor allem für die Diagnostik neu auftretender Viren bestens gerüstet. Das Projekt zur Zika-Diagnostik in Brasilien wurde vom DZIF im Rahmen eines beschleunigten Bewilligungsverfahrens auf den Weg gebracht, um der Gefahr von neu auftretenden Infektionen gerecht zu werden.

Publikation
Fischer C, Pedroso C, Mendrone A, Jr, Bispo de Filippis AM, Rosário Vallinoto AC, Morais Ribeiro B, et al.
External quality assessment for Zika virus molecular diagnostic testing,
Brazil. Emerg Infect Dis. 2018 May.
https://doi.org/10.3201/eid2405.171747

DOI: 10.3201/eid2405.171747

Kontakt

Prof. Jan Felix Drexler
DZIF-Schwerpunkt “Neu auftretende Infektionskrankheiten”
CharitéUniversitätsmedizin Berlin
T +49 30 450 525461
E-Mail: felix.drexler(at)charite.de

Prof. Christian Drosten (Co-Koordinator des DZIF-Schwerpunkts "Neu auftretende Infektionskrankheiten)
DZIF-Schwerpunkt “Neu auftretende Infektionskrankheiten”
CharitéUniversitätsmedizin Berlin
T +49 30 450 525091
E-Mail: christian.drosten(at)charite.de

Pressekontakt

Karola Neubert und Janna Schmidt
DZIF-Pressestelle
T +49 531 6181 1170/1154
E-Mail: presse(at)dzif.de

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