#1Health-PREVENT

Antibiotika sind essentiell, um sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin bakterielle Infektionen wirksam behandeln zu können. Im Sinne des „One Health“-Konzeptes werden deshalb gemeinsam im Forschungsverbund #1Health-PREVENT Erreger, die gegen viele klinisch wichtige Antibiotika unempfindlich (multiresistent) geworden sind, erforscht und Interventionen zu deren Prävention entwickelt.

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Prävention Antibiotika-resistenter Erreger

Die Ziele des Forschungsverbunds #1Health-PREVENT umfassen die Durchführung von epidemiologischen Studien zur zoonotischen Verbreitung von multiresistenten bakteriellen Erregern (MRE), sowie die Validierung von Interventionen, die einer Selektion von MRE vorbeugen bzw. eine Übertragung von MRE zwischen Tier und Mensch verhindern. In zwei Arbeitspaketen werden folgende für die öffentliche Gesundheit besonders relevante Themen erforscht:

#1Health-Epidemiologie: Studien, die offene, epidemiologische Fragen zum Vorkommen von MRE in Nutztieren und beim Menschen betreffen. Dabei wird der Fokus auf die (molekulare) Epidemiologie von Carbapenem- und Colistin-resistenten Enterobakterien, multiresistenten Koagulase-negativen Staphylokokken und Enterokokken, Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA), sowie Biozid-unempfindlichen Erregern gelegt, die in der Schweine- und Geflügelhaltung, aber auch bei Begleittieren und bei direkt exponierten Menschen vorkommen.

• #1Health-Interventionen: Interventionen zur Eindämmung von MRE bei Nutztieren, Heim- und Hobbytieren, sowie beim Menschen. Dabei wird der Schwerpunkt der Untersuchungen auf die Erforschung innovativer Interventionen oder die Verbesserung bestehender Verfahren gelegt, welche die Bereiche Antibiotikaeinsatz (Antibiotic Stewardship) in Tierkliniken, gezieltes Ausbringen von physiologischen Bakterien in der Umgebung, alternative Haltungsbedingungen bzw. Impfungen für Tiere, Etablierung von Barrieremaßnahmen für Menschen bzw. Protokolle zur Biozid-Empfindlichkeitstestung und zum Biozid-Einsatz betreffen.

#1Health-PREVENT Forschungsfragen & individuelle Projekte

In den beiden Arbeitspaketen #1Health-Epidemiologie und #1Health-Interventionen bearbeitet der Verbund die folgenden Hauptforschungsfragen und -hypothesen in drei epidemiologischen Studien (#epi1-3) und sechs Interventionsstudien (#intervention1-6):

Arbeitspaket #1Health-Epidemiologie (#epi1-3): Durchführung von Studien über offene, epidemiologische Fragen zum Vorkommen von multiresistenten Erregern (MRE) in Nutztierbeständen und beim Menschen.

Die Hauptfragestellung in diesem Arbeitspaket lautet: „Wie lässt sich die (molekulare Epidemiologie) bestimmter MRE in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung (Schweine, Geflügel) und bei Menschen mit direktem Kontakt zu diesen Nutztieren beschreiben?“

Dabei sollen das Vorkommen dieser MRE (zum Beispiel Colistin-resistente Enterobakterien, Carbapenem-resistente Enterobakterien, multiresistente Koagulase-negative Staphylokokken) und Biozid-unempfindlicher Bakterien in der Umgebung von Nutztierhaltungen und bei Exponierten untersucht werden, um hieraus Daten zur Risikobewertung und für die Entwicklung von Präventionsansätzen zu generieren.

Die Hypothese in diesem Arbeitspaket lautet: „Derzeit verfügbare Daten beschreiben nur unzureichend das Vorkommen von Carbapenem- (vor allem Ertapenem) und Colistin-resistenten Enterobakterien, multiresistenten Koagulase-negativen Staphylokokken und Enterokokken (inkl. Linezolid— und Daptomycin-resistenten Varianten), sowie MRSA.“

  • Arbeitspaket #1Health-Interventionen (#intervention1-6): Es werden Interventionen zur Eindämmung von MRE bei Nutztieren, Begleittieren (zum Beispiel Pferden) und beim Menschen validiert. Die Hauptfragestellungen in diesem Arbeitspaket lauten: „Kann man durch innovative Interventionen oder durch die Verbesserung bestehender Verfahren das Vorkommen von MRE bei Nutztieren, Heim- und Hobbytieren und exponierten Menschen verringern?“ „Kann man durch die Verbesserung der Qualität des Antibiotikaeinsatzes (Antibiotic Stewardship) das Vorkommen von MRE in Tierkliniken und bei exponierten Menschen beeinflussen?

Dazu sollen Interventionsstudien in der Human- und Veterinärmedizin durchgeführt werden.

Die Hypothese in diesem Arbeitspaket lautet: „Es ist möglich in einem One Health Verbund aus Veterinär- und Humanmedizinern und dem Öffentlichen Gesundheitsdienst gemeinsame Strategien zu entwickeln, um den rationalen Antibiotikagebrauch zu verbessern, bzw. um das Vorkommen von MRE in Tierhaltungen durch die gezielte Ausbringung von physiologischen Erregern in der Umgebung, durch alternative Haltungsbedingungen bzw. Impfungen für Tiere, durch Etablierung von Barrieremaßnahmen für Menschen bzw. durch verbesserte Protokolle zur Biozid-Empfindlichkeitstestung und zum Biozid-Einsatz zu verringern.“

Insgesamt wird der Verbund folgende Ergebnisse erzielen, die für die Klinik und die Risikobewertung durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst handlungsrelevant sind:

  1. Generierung epidemiologischer Daten zum Vorkommen und zur Prävalenz von Carbapenemase-bildenden (inkl. OXA-Carbapenemasen) und Colistin-resistenten Enterobakterien in schweine- und geflügelhaltenden Betrieben, multiresistenten Koagulase-negativen Staphylokokken bei Tierexponierten (Oxazoldinonresistenzen (Linezolid/Tedizolid) und Daptomycin-Resistenz), sowie MRSA in Milchviehbeständen.
  2. Evaluation der Auswirkung spezifischer Interventionen auf das Vorkommen von MRE und Biozid-unempfindlichen Erregern:
  • Ausbringen von nicht-pathogenen und sensiblen Bakterien als Konkurrenzflora in der Tierstallumgebung und deren Auswirkung auf das Vorkommen von MRE
  • Alternative landwirtschaftliche Haltungsbedingungen (zum Beispiel Auslauf, Strohhaltung)
  • Antibiotic Stewardship in Kliniken für Pferde und kleine Haustiere
  • Verbesserung der Mastitisprophylaxe in Milchviehbeständen
  • Barrieremaßnahmen gegen eine MRE-Kolonisation bei exponierten Personen aus dem Nutztiersektor sowie dem Tierklinikbereich
  • Leitlinie zur Testung von Feldisolaten auf Biozidresistenz
  • Erarbeitung von Desinfektionsprotokollen für Kleintierkliniken und Haushalte

Koordination

Priv. Doz. Dr. med. Robin Köck

Institut für Hygiene, Universitätsklinikum Münster, Münster

E-Mail: kockr@uni-muenster.de

Tel. +49 (0)441-403-2690

Kooperationen im Rahmen des Verbundes

Die folgenden Projektpartner sind an der Durchführung der interdisziplinären epidemiologischen Studien und Interventionen im Verbund #1Health-PREVENT beteiligt. Zur Beschreibung der einzelnen Studien #epi1-3 und #intervention1-6 siehe Abbildung oben.

  • Universitätsklinikum Münster

Leitung der Studien: #epi2, #epi3, #intervention1

PD Dr. med. Robin Köck1,2, Univ.-Prof. Dr. med. Alexander Mellmann1, Prof. Dr. med. Karsten Becker

2Universitätsklinikum Münster, 1 Institut für Hygiene und 2 Institut für Medizinische Mikrobiologie kockr@uni-muenster.de; alexander.mellmann(at)ukmuenster.de; kbecker(at)uni-muenster.de

Expertise: Humanmedizin

  • Fachhochschule Südwestfalen - Universtity of Applied Sciences

Leitung der Studie: #intervention1

Prof. Dr. med. vet. Marc Boelhauve,

Fachhochschule Südwestfalen, Fachbereich Agrarwirtschaft

boelhauve.marc(at)fh-swf.de

Expertise: Landwirtschaft und Veterinärmedizin

  •  Bundesinstitut für Risikobewertung

Leitung der Studie: #intervention4

Dr. med. vet. Alexandra Fetsch, PD Dr. med. vet. Bernd-Alois Tenhagen,

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

alexandra.fetsch(at)bfr.bund.de; bernd-alois.tenhagen(at)bfr.bund.de

Expertise: Public Health, Veterinärmedizin

  • Freie Universittä Berlin

Leitung der Studien: #intervention5,6

Univ.-Prof. Dr. med. vet. Stefan Schwarz, Dr. med. vet. Antina Lübke-Becker, Dr. med. vet. Andrea Feßler, PhD,

Freie Universität Berlin, Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen

stefan.schwarz(at)fu-berlin.de; antina.luebke-becker(at)fu-berlin.de; andrea.fessler(at)fu-berlin.de

Expertise: Veterinärmedizin

  • Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Leitung der Studien: #epi1, #intervention2

PD Dr. med. Wilma Ziebuhr,

Universität Würzburg, Institut für Molekulare Infektionsbiologie

w.ziebuhr(at)mail.uni-wurzburg.de

Expertise: Humanmedizin

  • Robert Koch-Institut

Leitung der Studien: #intervention2,3,5

Dr. med. vet. Christiane Cuny, Dr. med. vet. Birgit Walther, Prof. Dr. rer. nat. Wolfgang Witte

Robert Koch-Institut

cunyc(at)rki.de; waltherb(at)rki.de

Expertise: Public Health, Humanmedizin/Veterinärmedizin

Kooperationen über den Verbund hinaus

Der Verbund #1Health-PREVENT kooperiert bei der Durchführung der epidemiologischen Studien eng mit dem Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA) und dem Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES). Zudem besteht eine enge Kooperation mit dem Interreg V Projekt EurHealth-1Health gefördert von der Europäischen Union, dem Niederländischen Ministerium für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport und den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Darüber hinaus bestehen weitere Kooperationen zu Institutionen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes auf kommunaler und Länderebene.