04.09.2020

Coronavirus: Gesundheitsminister Ecuadors zu Besuch an der Charité

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PD Dr. Seybold, Maria Gloria Alarcon (Honorarkonsulin der BRD in Guayaquil), Prof. Drosten, Dr. Zevallos Lopez, Prof. Drexler, Dr. Moreira Soto (v.l.) © W. Peitz | Charité
PD Dr. Seybold, Maria Gloria Alarcon (Honorarkonsulin der BRD in Guayaquil), Prof. Drosten, Dr. Zevallos Lopez, Prof. Drexler, Dr. Moreira Soto (v.l.) © W. PeitzCharité
Im Austausch zur Corona-Strategie Ecuadors: Prof. Drexler, Prof. Drosten, Honorarkonsulin Alarcon, PD Dr. Seybold (v.l.) mit Dr. Zevallos Lopez (vorn) © W. Peitz | Charité
Im Austausch zur Corona-Strategie Ecuadors: Prof. Drexler, Prof. Drosten, Honorarkonsulin Alarcon, PD Dr. Seybold (v.l.) mit Dr. Zevallos Lopez (vorn) © W. PeitzCharité
Dr. Juan Carlos Zevallos Lopez (Minister für öffentliche Gesundheit Ecuadors) und Manuel Mejia Dalmau (Botschafter Ecuadors in Deutschland) (v.l.) © W. Peitz | Charité
Dr. Juan Carlos Zevallos Lopez (Minister für öffentliche Gesundheit Ecuadors) und Manuel Mejia Dalmau (Botschafter Ecuadors in Deutschland) (v.l.) © W. PeitzCharité
Dr. Zevallos Lopez (2.v.l) zu Besuch im Institut für Virologie mit Prof. Drexler, Botschafter Manuel Mejia Dalmau, Honorarkonsulin Maria Gloria Alarcon, Prof. Drosten, PD Dr. Seybold (v.l.) © W. Peitz | Charité
Dr. Zevallos Lopez (2.v.l) zu Besuch im Institut für Virologie mit Prof. Drexler, Botschafter Manuel Mejia Dalmau, Honorarkonsulin Maria Gloria Alarcon, Prof. Drosten, PD Dr. Seybold (v.l.) © W. PeitzCharité

Coronavirus: Gesundheitsminister Ecuadors zu Besuch an der Charité

Wie Ecuador die Pandemie gemanagt und die Charité dazu beigetragen hat

Die Corona-Pandemie hat Lateinamerika besonders schwer getroffen – allem voran Ecuador: Das Land an der Westküste war der erste COVID-19-Hotspot Südamerikas. Im Juni und im August war ein fünfköpfiges Team der Schnell Einsetzbaren Expertengruppe Gesundheit (SEEG) der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem Institut für Virologie der Charité für jeweils 2 Wochen in Ecuador, um vor Ort bei der Diagnostik von COVID-19-Fällen zu unterstützen. Der Gesundheitsminister des Landes hat das Charité-Team jetzt mit einer Delegation in Berlin besucht, um persönlich für diesen Einsatz zu danken und um zu berichten, wie Ecuador die Pandemie in den zurückliegenden Monaten unter Kontrolle bekommen hat.

 

Corona-Epizentrum Lateinamerikas
Ein harter, effizienter Lockdown – so lässt sich die Corona-Strategie Ecuadors auf den Punkt bringen. Der Gesundheitsminister des Landes Dr. Juan Carlos Zevallos Lopez berichtete dem Stellvertretenden Ärztlichen Direktor PD Dr. Joachim Seybold sowie den Charité-Virologen Prof. Dr. Christian Drosten, Prof. Dr. Jan Felix Drexler und Dr. Andres Moreira Soto vom Ausmaß der Pandemie am Beispiel der 3-Millionen-Einwohner-Stadt Guayaquil, das lange Zeit das Corona-Epizentrum des Landes war – mit völlig überlasteten Krankenhäusern: Im März seien hier bis zu 700 Menschen täglich verstorben, landesweit habe es fast 20.000 Todesfälle in jenem Monat gegeben. „Ecuador hat damit zu dieser Zeit den traurigen Spitzenplatz aller Länder Lateinamerikas eingenommen“, fasste Dr. Zevallos Lopez zusammen.

 

Breite Testungen bei spezifischer Symptomatik
Um diese rasante Entwicklung angesichts der begrenzten Kapazitäten an Intensivbetten und Beatmungsgeräten in Ecuador aufzuhalten, seien Aufklärungskampagnen und breitangelegte PCR- und Schnelltestungen von Personen mit Symptomen angesetzt worden, berichtete der Minister weiter. Das Charité-Team um Prof. Dr. Jan Felix Drexler, Leiter der Arbeitsgruppe Virusepidemiologie am Institut für Virologie, hat hier die Schnell Einsetzbare Expertengruppe Gesundheit (SEEG) der GIZ unterstützt: Es wurden Laborreagenzien für 100.000 PCR-Tests geliefert und weitere Ausrüstung bereitgestellt.

 

Laborpersonal schulen
Zudem schulten die Spanisch sprechenden Experten der Charité 20 Mitarbeitende in vier Laboren vor Ort in der Anwendung der Diagnostika. Das geschulte Personal wurde außerdem in die Lage versetzt, Wissen und Können an Mitarbeitende weiterer lokaler Labore weiterzugeben. „Dank dieser Hilfestellung konnten COVID-19-Fälle auch in kleineren Städten sicher identifiziert werden“, erläuterte Dr. Zevallos Lopez. „Das war bis dahin nur in einigen wenigen Krankenhäusern möglich, sodass die Testergebnisse erst nach sehr langen Wartezeiten vorlagen.“

 

Isolation und Ausgangssperren
Neben der Früherkennung von Corona-Fällen sei die Isolation von Infizierten mit milden Symptomen innerhalb bestimmter Wohngebiete und teilweise auch die Sperrung ganzer Orte zentral für die Strategie Ecuadors zur Eindämmung des Virus gewesen, berichtete Dr. Zevallos Lopez. Direkt hier wurden die Patienten dann auch medizinisch behandelt – nur Patienten mit schweren COVID-19-Verläufen wurden im Krankenhaus versorgt. „Wenn das Smartphone eines Erkrankten meldete, dass er sich außerhalb der erlaubten Zone aufhält, hat er sofort eine Textnachricht erhalten, dass er zurückkehren solle“, erläuterte der Gesundheitsminister den zusätzlichen Einsatz technischer Mittel. Auch Polizei und Militär seien zur Umsetzung der strikten Maßnahmen eingesetzt worden. Insbesondere durch die Zusammenarbeit zwischen einzelnen Regierungsbehörden sei es Ecuador gelungen, die Primärversorgung zu stärken und das Land wieder schrittweise zu öffnen, so das Fazit des Gesundheitsministers.

 

Beitrag zur weltweiten Gesundheitsversorgung
PD Dr. Joachim Seybold betonte: „Die Charité nimmt durch Entsendung von Experten die Verantwortung wahr, bei Gesundheitskrisen auch diejenigen Länder zu unterstützen, deren Kapazitäten in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung anders gelagert sind als hierzulande. Diese Zusammenarbeit, die als Partnerschaft auf Augenhöhe verstanden wird, trägt dazu bei, dass ein so schwer von der Corona-Pandemie betroffenes Land wie Ecuador das Infektionsgeschehen erfolgreich unter Kontrolle bekommt.“

 

Wissenschaftliche Zusammenarbeit intensivieren
Zum Abschluss des Austauschs sagte Prof. Drexler, dass die Erfolge Ecuadors bei der Eindämmung der Pandemie nach dem Desaster in Guayaquil erstaunlich seien und auch sehr lehrreich für andere Länder sein könnten. „Wir arbeiten nun gemeinsam mit dem ecuadorianischen Gesundheitsministerium und Universitäten vor Ort daran, ein Wiederaufflammen der Epidemie zu verhindern und die Ausbreitung des neuen Coronavirus im Land zu verstehen.“ Zudem solle die Zusammenarbeit zwischen der Charité und Ecuador zukünftig auch über COVID-19 hinaus weiter ausgebaut werden, waren sich die Gesprächspartner einig. Hierzu werde derzeit ein Memorandum of Understanding erarbeitet.

 

Über die Schnell Einsetzbare Expertengruppe Gesundheit (SEEG)
Die SEEG ist ein Gemeinschaftsprojekt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Im Zuge der aktuellen Pandemie war die SEEG gemeinsam mit der Charité-Arbeitsgruppe um Prof. Drexler bereits unter anderem in Benin, in Kolumbien und Ecuador im Einsatz, weitere Ländermissionen folgen. Das BMZ fördert die Zusammenarbeit von SEEG und Charité mit rund 700.000 Euro jährlich. Die Charité-Experten engagieren sich zudem im Pandemie-Dialog mit Staaten Lateinamerikas und der Karibik, finanziell unterstützt vom Auswärtigen Amt mit 200.000 Euro.

Kontakt

Prof. Dr. Jan Felix Drexler

CharitéUniversitätsmedizin Berlin

Postadresse:Charitéplatz 110117 Berlin

Campus- bzw. interne Geländeadresse:Rahel-Hirsch-Weg 3

CCM, Rahel-Hirsch-Weg 3


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